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PATTSTÜCKE
zs art Galerie, 1070 Wien, Westbahnstraße 27-29
15.6.2012 bis 20.7.2012, Mo bis Fr 11 bis 19 Uhr


Ausstellungstitel: "P A T T S T Ü C K E" / ZWISCHENRÄUME

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat gesagt: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen."

Wir allerdings beschäftigen uns in zunehmenden Maße gerade mit den Dingen, die nicht klar gesagt werden können,- und wir bedienen uns dabei der Schaffung von Kunstwerken. Und zwar einer ganz bestimmten Art von Kunstwerken, und wir verwenden dafür jetzt den Begriff "Pattstücke".

"Pattstücke" ist eine wortspielerische Anlehnung an Franz West's "Paßstücke", gleichzeitig aber auch eine ironische Distanzierung in Hinblick auf das völlig anders geartete Potenzial des Begriffes "PATT", der uns dient zur Umschreibung bestimmter ambivalenter Verhältnisse.

Das Patt bezeichnet eine Situation, in der keine Partei einen Vorteil erringen kann. Jenseits des Konkurrenzdenkens lassen sich damit aber auch harmonisch-disharmonische Gleichgewichtszustände beschreiben, die uns dem zwanghaften "entweder - oder" entkommen lassen, in die Ambivalenz von "weder - noch" und "sowohl als auch". Patt gilt uns hier als eine Metapher für eine fruchtbare Unentschiedenheit. Denn die Authentizität jedweden Versuches von Weltreflexion kann sich nur in Widersprüchlichkeit ausdrücken. Wer sich die Neugier am Leben erhält für den gilt es, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Konkret auf unsere Arbeit bezogen, wäre zu sagen: Es gilt uns, geistreich-geistlos zu sein, quasi als eine Möglichkeit, um die stetig zunehmende und allgegenwärtige Infantilität zu unterlaufen (siehe das Buch "Blödmaschinen": Also mittels der "karnevalistischen" Methode das Unverbundene zu verbinden) .

Ein wesentlicher Aspekt unserer Werke ( im Besonderen der "Pattstücke") ist die Integration von Fertigteilen. Also Dinge, Fundstücke, Produkte werden verwendet als "ZITATE", herausgegriffen aus der Fülle der Phänomene dieser Welt (und was auch immer sich dahinter verbergen mag an Rätselhaftigkeit und Irritation,- aber auch an möglichen Umwegrentablitäten des Wahsinns). Von daher erfüllen die Werke vielleicht auch fallweise die Funktion von zeitzeugenschaftlichen Dokumenten.

Diese Vorgangsweise ist in der Linie zu sehen, die heraufführt von Duchamp / DADA über Nouveau Realism, Fluxus und Arte Povera - bis Appropriation Art und "Upcycling"sowie zu allerlei zeitgenössisch Inszenatorischem. Immer hart an der Grenze des Kunstbegriffes.

Anders aber als Duchamp, setzen wir meistens zwei, aber auch mehrere derartige "Zitate" in einer Konstellation zueinander in Beziehung,- Stücke, die scheinbar oder tatsächlich nichts miteinander zu tun haben. Die "Zitate" die wir verwenden, sind zwar im Grunde genommen austauschbar, dennoch ist ihre Wahl eine gezielte Entscheidung.

Die Werke sind einerseits auf den Punkt gebracht, anderseits bezeichnet dieser Punkt aber einen Zustand der Ambivalenz.

Diese quasi "STAND-PUNKTE" sind oft beispielhaft verdeutlicht durch die Verwendung runder Basis-scheiben, über welchen sich die Werke erheben und entfalten,- als Spannungszustände in doppeltem Sinne in Schwebe gehalten, eben in Ambivalenz.

Diese Objekte, diese "Pattstücke" stehen für sich, aber sie leben auch von der Korrespondenz, die sie untereinander und zueinander aufnehmen und auf diese Weise dann doch wieder auch als Fragmente in einem größeren Zusammenhang gesehen werden können. Sie tendieren damit in Richtung Gesamtkunstwerk, zu dem sie sich fallweise auswachsen können.

Die verwendeten Zitate faszinieren vielleicht durch eine auratische Ausstrahlung, die sie bei aller früher oder später verblichenen Aktualität (nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern) in eine unterschwellige Nähe zu einer quasi archaischen Zeichensprachlichkeit setzt, von der aus sich wieder leicht eine Brücke schlagen lässt, zu den (technoiden?) pictogrammatischen Signalen und Abstraktionen in den Projektionen, die Sito in die Ausstellung einbringt. Renate variiert in ihren "Überschichtungen" die Thematik der zeichensprachlchen "Zitate" noch in signifikanter und bereichender Weise, wobei diese in ihrem fragmentarischen Charakter besonders deutlich werden. (Bei aller Zurückgenommenheit auf das begrenzte Feld der Bildfläche).

Es spannt sich derart ein Netzwerk der Bezüglichkeiten durch die Ausstellung, das das Teamwork erkennen lässt.

P.S. Es handelt sich (aus unserer Sicht) um ein Gesamtkunstwerk, wenn die Idee oder Werkvorstellung sich in der Realisierung über mehrere Disziplinen oder Medienbereiche erstreckt. Die Schlüssigkeit eines derartigen Werkgefüges lebt auch vom Reiz des Mitkomponierens von Zwischenräumen und Zeiträumen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen.

Es ließe sich auch anders sagen, vielleicht so: Das Gesamtkunstwerk verzahnt sich mit dem Rest der Welt und ist folglich nur zusammen mit dem Rest der Welt vollständig. Diese Verzahnung ist eher als eine gegenseitige Durchdringung zu verstehen, keine dingfest zu machende Grenze. Das Gesamtkunstwerk ist nach unserem Verständnis also nicht nur und vor allem interdisziplinär und intermedial grenzüberschreitend, sondern auch übergreifend und übergehend in den umgebenden Umraum (Umwelt), indem es weitgehende Bezüge aufnimmt. Also kann jedes Gesamtkunstwerk, das wir vor uns haben, nur ein Fragment sein. Das ist vielleicht das Utopische daran?

(c) Jörg Schwarzenberger

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